Guten Tag!

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Schon die jüngste Umschreibung von „launisch“ gehört? Bitte sehr: Da ist jemand „emotional flexibel“. Das Lächeln, das diese flotte Umschreibung auf die Lippen zaubert, gefriert mir allerdings sofort wieder, wenn ich daran denke, wie oft wir inzwischen mit solchen Umschreibungen dafür sorgen, dass die Wahrheit schön brav unter dem Teppich bleibt. Da schreibt einer eine „schwarze Null“. Heißt übersetzt: Das ganze Jahr über nichts verdient. Da führen zwei Parteien „konstruktive Gespräche“. Heißt übersetzt: Das ganze Geschwätz war umsonst. Da tritt jemand für eine Denkpause ein. Heißt übersetzt: Jetzt sollten wir uns mal um die Fakten kümmern und mit den Phantastereien aufhören.

Das Traurige an dieser Doppelzüngigkeit ist aus meiner Sicht, dass sie der Beliebigkeit von Aussagen Tür und Tor geöffnet hat. Weil Sätze mit solchen Formulierungen keine greifbaren Inhalte mehr enthalten, reißt auch jeder die Klappe auf – ob er nun etwas zu sagen hat und wirklich Verantwortung trägt oder nicht. Und wenn einer wirklich mal Konkretes von sich gibt? Dann nimmt die Allgemeinheit Reißaus, als hätte der Betreffende eine ansteckende Krankheit. Man muss nicht die politische Linie von FJS selig vertreten, um seine vielfach verkündete „Mitgliedschaft im Verein für klare Aussprache“ für einen Vorzug zu halten. Da weiß man wenigstens, was auf einen zukommt. Und muss nicht 15 Jahre nach Verkündung der ersten Pläne für Stuttgart 21 überrascht feststellen (oder so tun), als sei die Story mit dem tiefergelegten Bahnhof etwas ganz Neues.

So gesehen bin ich richtig glücklich darüber, dass die Redner in „meinem Laden“ allesamt Freunde des offenen Wortes sind. Die sagen, was sie meinen, und meinen, was sie sagen. Darum stehen sie mit ihrem Namen und ihrem Gesicht für ihre Arbeit und brauchen sich nicht hinter Parteitagsbeschlüssen und Fraktionsdisziplinen verstecken, wenn mal einer widerspricht. Das ist gar nicht so selbstverständlich. Die Reporterlegende Dagobert Lindlau, unlängst 80 geworden, hat zu diesem Thema im Interview mit dem BR etwas sehr schlaues gesagt. Sinngemäß: Wer vorher schon Angst hat, sich für eine Bemerkung entschuldigen zu müssen, sagt sowieso nichts Ehrliches mehr. Das sollte uns zum Denken geben. Und Anlass sein, genau hinzuhören. Zum Beispiel bei Frauen, die etwas zu sagen haben www.5sterne-rednerinnen.de 

Dafür allzeit wache Sinne und spitze Ohren wünscht Ihnen

Ihr Heinrich Kürzeder